Hombroich Raumortlabor Manifest

Präambel
Hombroich Raumortlabor ist Wandlung von intensiver Landwirtschaft in eine extensive Landwirtschaft und naturnahe Landschaft. Hombroich Raumortlabor ist Respektierung der Landschaft anstalt wahlloses Füllen. Hombroich Raumortlabor ist Schaffung eines Feldes mit vielen Zellen in einer dezentralen Struktur. Hombroich Raumortlabor ist weltoffenes Gebilde, ist viele Orte.

Hombroich Raumortlabor ist Labor für andere Lebensformen. Sie fassen andere Erfahrungen und Betrachtungen in Umwelt und Mitwelt zusammen, um andere Wirkungen zu erzielen.

Ob in Hombroich Raumortlabor ein Raum, ein Ort oder ein größeres Gebiet in der Landschaft geplant wird, es ist immer die gleiche Aufgabe: Selbstbestimmung durch das Wesen der Bewohner, Teilnehmer oder Teilgeber.

Hombroich Raumortlabor wird zu 90% aus Landschaft und zu 10 % aus Bauwerken bestehen, ebenso werden 10% der Bauwerke für Gemeinschaftseinrichtungen und 90% der Bauwerke für Leben, Wohnen, Arbeiten, Fürsorge, kulturelles Schaffen sein.

Hombroich Raumortlabor ist Vorbilden, Erfahrenlassen, Versuchen.

Hombroich Raumortlabor ist Integration und Einheit aller Bereiche, Dienen von Allem für Alles, kulturelles Wirken von Allem.

Hombroich Raumortlabor ist höchstmögliches Gemeinnützigkeitsverständnis bei gleichzeitiger Verdichtung unterschiedlicher Wesensformen.

Hombroich Raumortlabor ist Erkennbarmachung des Wesentlichen, Offenheit für andere Wesen, Anwendung einfachster Mittel zur Erreichung größtmöglicher Kohärenz.

Hombroich Raumortlabor ist ein offener Versuch.


I. Fünf Prinzipien

1. Schenken für Hombroich:
Menschen zeugen andere Formen des Lebens durch visionäre Schenkung von Arbeit, Mittel, Ideen und Zeit. In Hombroich wird ein offener Prozess unternommen, dessen Erfolg vom ständigen und diskursiven Generationswechsel abhängt.

Es bilden sich zwei Ebenen: einerseits Menschen, die eigene Visionen leben und andererseits Institutionen, die durch Stiftungen, Schenkungen und Spenden Gleichgesinnter stabile, gemeinnützige Einrichtungen schaffen.

Menschen nutzen diese Gebilde. Generationswechsel, einfühlsam geführt, hält kontinuierliches Leben und Arbeit in den Gebilden aufrecht.

Nehmen und Aufrechnen schaffen keine schenkende Gesellschaft: Hombroich ist Tun um zu wirken, nicht Handeln um zu haben.

2. Nebeneinander Aller in Hombroich:
Pflanzen, Tiere und Menschen sollen gleichberechtigt miteinander leben. Pflanzenvielfalt muß auch Lebensbedingung für das einfallende Tier sein. Für beide muß der Mensch Schutz schaffen und bereitstellen.

3. Einräumen unterschiedlicher Lebensformen und Ideen in Hombroich:
Diese sollen erkannt, verstanden, geachtet und gesucht werden. Geistige, wirtschaftliche und politische Kollektive sollten nicht entstehen. Wesenszüge einzelner Menschen sollen sich entfalten dürfen und toleriert werden.

Hombroich soll ein Umfeld sein, in dem Menschen, die die Notwendigkeit einer Veränderung ihres lebens fühlen, oder um diese wissen, sich von überall und aus allen Kulturgebieten versammeln können, um eigene Vorstellungen zu verwirklichen. Offenheit für die Nachbarschaft, für das Andere ist Voraussetzung für das Gedeihen aller Lebensformen.

4. Neue gemeinnützige Strukturen für Hombroich, Anteilnahme an Hombroich:
Zur langfristigen Förderung und Verwirklichung des Ganzen werden neue gemeinnützige Einrichtungen entstehen. Wohnen, Arbeiten und Besuchen werden andersartige Modelle in unterschiedlichsten Beispielen hervorbringen. Um Bodenspekulation zu vermeiden sollen Grundstücke in gemeinnütziger Eigentumsform mit bestimmten Nutzungsrechten vergeben werden.

Hombroich ist wie ein großes Gefäß, in das hineingegossen und aus dem herausgeschöpft werden kann. Wer sich in die Hombroicher Gemeinschaft einbringen möchte, kann hineingeben, was Hombroich und die Gemeinschaft weiterentwickelt.

5. Integre Kultur in Hombroich:
In Hombroich wird Kultur gelebt. Sie ist kein zusätzliches Gut das man in Frage stellen kann. Alles Geschehen ist still und ernsthaft in der Durchführung.


II. Fünf Handlungsmaxime

1. Transformation statt Reform oder Revolution:
Hombroich will heutige Stadtgebilde und Raumentwicklungen nicht revolutionär in Frage stellen oder reformieren. Hombroich ist Ringen um unterschiedliche architektonische Formen, die aus sich selbst heraus Wandel erzeugen und zulassen.

2. 9:1 = Landschaft : Bauwerk:
Das Gesamtgebilde ruht auf einem Verhältnis von 90% Landschaft zu 10% Bauwerk. Die 90% Landschaft schlüsseln sich auf in ein Drittel Wald, ein Drittel Wiesen und ein Drittel Kräuter- und Obstgärten. Nur 10% der Gesamtfläche werden mit Gebäuden überbaut.

Der Wiesenanteil soll als Wildblumenwiese, in keinem Fall als Rasenfläche entwickelt und unterhalten werden. Die Gärten sollen möglichst zur Ernährung der Menschen in Hombroich benutzt werden.

Das gesamte Areal wird Naherholungsgebiet tür die angrenzenden Stadtteile Holzheim und Kapellen. Besondere Spielflächen sollten in der Nähe dieser Stadtteile entstehen.

3. Einfache Erschließung:
Die Erschließung des Areals folgt der bestehenden landwirtschaftlichen, einfachen und effizienten Struktur. Anstatt Bürgersteige sollen unversiegelte Fußwege durch die Landschaft führen. Fußgänger sollen generell uneingeschränkt das Areal durchqueren können. Daraus entstehen Wege mittelfristig von selbst. Einzäunung und Ummauerung von Grundstückstlächen sind zu vermeiden, es sei denn betriebliche Anforderungen (Museen, private Gärten) bedingen dies.

Der Kraftfahrzeugverkehr soll weitestgehend aus dem Areal herausgehalten werden. Bauwerke und Stellplätze sollen möglichst unmittelbar an der vorhandenen landwirtschaftlichen Erschließung errichtet werden (weitere Details werden in einem technischen Anhang festgtlegt).

4. Gestaltung einzelner Teile nur im Kontext:
Die Frage für das Gesamte und für Einzelprojekte rnuß sein, unter welchen Bedingungen Leben und Arbeiten sinnvoll sind. Erst danach darf sich das Projekt Architektur und Landschaft seine Form geben. Jeder Teil trägt auch eine Verantwortung für das Ganze.

5. Eigenenergieversorgung und Ressourcen schonendes Bauen:
Die Gesamtgestaltung (Landschaft, Infrastruktur und Bauten) soll in Herstellung und Betrieb sowie eingesetzter Mittel Ressourcen schonend sein. Die einzelnen Baugebiete sollen sich weitgehend eigenständig ver- und entsorgen können.

Die geplanten Strukturen sollen dauerhaft, erneuerbar und anpassungsfähig sein. Die sozialen Aspekte eingebetteter Arbeit sind bei der Gesamtgestaltung mit zu berücksichtigen.

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